Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Fernwärme Satzung

Was regelt die Satzung?

Die Satzung regelt den Anschluss an die vorhandene Fernwärmeversorgung und die Verpflichtung der Hauseigentümer, ihre Gebäude mit Fernwärme zu beheizen. Vorrangig gilt die Pflicht zur Nutzung der Fernwärme in den grün gekennzeichneten Bereichen auf den Karten, die als Anlagen Bestandteil der Satzung sind. Die Fernwärme dient ebenfalls zur Bereitstellung des Warmwassers in den angeschlossenen Gebäuden. Zur Förderung von Heizungen auf der Basis von erneuerbaren Energien sieht die Satzung die Möglichkeit einer Befreiung vom Anschluss- und Benutzungszwang vor. 

Warum gibt es in Greifswald eine Fernwärmesatzung?

Etwa ein Drittel des deutschen Energiebedarfes wird zur Gebäudeheizung verwendet. Um Energie einzusparen und damit die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas zu vermindern, ist es wichtig die Effizienz beim Einsatz der Energieträger zu erhöhen. Eine Möglichkeit dazu ist die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme (Kraft-Wärme-Kopplung), wie es bei der Greifswalder Fernwärmeversorgung geschieht.
Bei der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas entsteht Kohlenstoffdioxid (CO2), dieses CO2 ist neben anderen Treibhausgasen maßgeblich für die Erderwärmung verantwortlich. Um den damit einhergehenden Klimawandel zu begrenzen hat sich Deutschland international verpflichtet, den CO2 Ausstoß zu senken. Greifswald hat sich mit seinem Beitritt zum Konvent der Bürgermeister zu seiner Verantwortung zur Senkung des CO2 Ausstoßes bekannt. Im Rahmen des 2008 gegründeten Klimaschutzbündnisses Greifswald 2020  hat sich Greifswald verpflichtet, den CO2 Ausstoß bis 2020 gegenüber dem Jahr 2005 um 14% zu senken. Als effektivste und zugleich wirtschaftlichste Maßnahme hat  das Max-Planck Institut (IPP) im Integrierten Klimaschutzkonzept für Greifswald die Aufstellung einer Fernwärme-Satzung in Verbindung mit einer Verpflichtung der Stadtwerke, bis 2020 den Anteil der genutzten regenerativen Energien zu erhöhen, ausgewiesen. Die erforderlichen Erzeugungsanlagen sind bereits vorhanden und müssen nicht neu errichtet werden.
Durch entsprechende Ausnahmeregelungen sind auf regenerativen Energien beruhende Heizungsanlagen befreit vom Anschlusszwang.

Wo gilt die Satzung?

Die Satzung gilt in der Universitäts- und Hansestadt Greifswald. Die Satzung enthält als Anlagen 7 Karten, in denen die Versorgungsgebiete ausgewiesen werden, in welchen der Anschlusszwang vorrangig ausgeübt wird. Zu den Karten gelangt man über folgende Links:



Wen betrifft die Satzung, gibt es einen Bestandsschutz für bestehende Anlagen?

Bei Neubau oder Heizungsmodernisierung ist im Satzungsgebiet die mögliche Nutzung der Fernwärme zu prüfen. Insbesondere im Versorgungsgebiet müssen bestehende und neu errichtete Gebäude an die Fernwärme angeschlossen werden. Ausgenommen davon sind Gebäude, deren vollständige Wärmeversorgung auf der Basis von erneuerbaren Energien erfolgt oder deren Heizungsanlage eine Gesamtnennwärmeleistung von weniger als 15 KW hat. Für Gebäude, deren Wärmeversorgung zurzeit nicht durch Fernwärme erfolgt, tritt der Anschlusszwang erst in Kraft, wenn die technische Nutzungsdauer der Anlage abgelaufen ist - sprich, wenn technisch bedingt eine Erneuerung der Anlage erfolgen muss. Dies gilt auch für in Planung befindliche bereits genehmigte Anlagen.
Insgesamt sind im ausgewiesenen Versorgungsgebiet in den nächsten Jahrzehnten etwa 450 Erdgaskessel, 60 Öl- und 50 sonstige Heizungen betroffen. Bei der bundesdurchschnittlichen Modernisierungsrate von Heizungssystemen wird im Satzungsgebiet mit einer Umstellung von etwa 25 Anlagen pro Jahr gerechnet.

Welche Heizsysteme sind vom Anschluss an die Fernwärme befreit?

Alle Heizsysteme deren Wärmeversorgung ausschließlich durch erneuerbare Energien gewährleistet wird sind zu befreien, insbesondere Anlagen zur Nutzung

a) nachwachsender Festbrennstoffe (z.B. Holz),
b) nachwachsender Flüssigbrennstoffe (z.B. Rapsöl),
c) gasförmiger Brennstoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe (z.B. Biogas) oder
d) solarer Wärme (z.B. Solarthermieanlagen).

Mit konventionellem Strom betriebene Wärmepumpen besitzen gegenüber der Fernwärme keinen Umweltvorteil. Werden Wärmepumpen mit zertifiziertem Ökostrom betrieben gilt für die Anlagen eine Befreiung vom Anschlusszwang.
Zusätzlich sind alle Gebäude mit Wärmeversorgungsanlagen von maximal 15 KW Gesamtnennwärmeleistung vom Anschluss- und Benutzungszwang befreit.

Welche CO2-Emission verursacht die Fernwärme im Vergleich zur Brennwerttherme?

Fernwärme wird in Greifswald zum größten Teil in Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt, diese Technik nutzt den Brennstoff gleichzeitig für die Erzeugung von Strom und Wärme. Für die erzeugten Mengen an Wärme und Elektroenergie wird deutlich weniger CO2 emittiert, als bei einer getrennten Produktion ausgestoßen wird.
Für die Wärmeerzeugung für ein Gebäude ergeben sich für verschiedene Beheizungsmethoden folgende Emissionswerte:
a) Fernwärme 121 Gramm CO2 pro kWh
b) Standard Erdgaskessel ohne Brennwerttechnik (95% Wirkungsgrad) 236 Gramm CO2 pro kWh Wärme
c) Erdgaskessel mit Brennwerttechnik (108% Wirkungsgrad) 216 Gramm CO2 pro kWh Wärme
d) Wärmepumpe (konventioneller Strom, Jahresarbeitszahl 3,7) 155 Gramm CO2 pro kWh Wärme
e) Erdgaskessel mit Brennwerttechnik und Solarkollektor 177 Gramm CO2 pro kWh Wärme
f) Erdgas Mini-BHKW im Gebäude mit Erdgasspitzenlastkessel 142 Gramm CO2 pro kWh Wärme

Muss mein Heizkessel sofort erneuert werden?

Bestehende Kesselanlagen können solange genutzt werden, bis eine wesentliche Änderung eintritt, beispielsweise das technische Lebensende der Anlage erreicht ist und eine neue Anlage eingebaut werden muss. In diesem Moment greift die Satzung und der Fernwärmeanschluss, mit den genannten Befreiungsmöglichkeiten, wird zur Pflicht.

Darf ich meinen Kamin noch benutzen?

Mit Holz befeuerte Kamine bleiben von der Satzung unberührt, weil Holz ein nachwachsender Rohstoff ist. 

Welche Vorteile bietet eine Fernwärme-Satzung für den Kunden?

Die Fernwärme-Satzung bewirkt eine steigende Kundenanzahl. Die Erzeugeranlagen können somit effizienter ausgelastet und in der Folge Brennstoffe eingespart werden. Die sogenannten fixen Kosten zum Bau und Erhalt der Anlagen werden auf mehr Kunden verteilt. Das heißt, bei steigender Abnehmeranzahl reduzieren sich die Kosten pro Kunde.

Welche Auswirkungen hat eine Fernwärme-Satzung auf die regionale Wirtschaft?

Die örtliche Wirtschaft profitiert von einer Fernwärme-Satzung, insbesondere Unternehmen der technischen Gewerke und aus dem Dienstleistungsbereich. Ein großer Teil der Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten an bestehenden Fernwärmeversorgungsanlagen wie auch die Planung und den Bau neuer Anlagen übernehmen externe Betriebe. Nach Auskunft der Stadtwerke sind im Jahr 2008 gut 1,3 Millionen Euro für Investitionen und Dienstleistungen an Unternehmen mit Greifswalder Firmensitz vergeben worden, über 600.000 Euro davon als reine Dienstleistungen. 
Durch den Anschluss von jährlich ca. 25 Heizungsanlagen an die Fernwärme entfallen die bestehenden Wartungsverträge. Hier besteht das Angebot der Fernwärme Greifswald GmbH, die örtlichen Handwerker in die Wartung der dann notwendigen Hausanschlussstationen einzubinden.
Die in der Satzung gegebene Befreiungsmöglichkeit vom Anschlusszwang durch Nutzung regenerativer Energien fördert die Installation innovativer Heizungstechnologien durch lokale Handwerksunternehmen.

Welche Kosten entstehen für den Kunden durch den Fernwärmeanschluss?

Die Fernwärmeleitungsverlegung bis zur Hausanschlussstation im Gebäude ist kostenfrei. Die Hausanschlussstation ersetzt die Funktion eines Kessels, sie überträgt die Wärme an die Wärmeverteilung im Haus. Diese Hausanschlussstation kann gemietet oder gekauft werden.

Welche Kosten entstehen für mich, wenn ich mich vom Fernwärmeanschluss befreien lassen möchte?

Der Antrag für die Befreiung vom Anschluss- und Benutzungszwang ist an das Stadtbauamt der Universitäts- und Hansestadt Greifswald zu stellen.  Gleichzeitig sind Unterlagen zur geplanten Heizungsanlage zusammen mit einer Fachunternehmererklärung zur Art des Wärmeerzeugers einzureichen. Für die Bearbeitung des Antrags sowie die Abnahme der Heizungsanlage nach Fertigstellung werden keine Verwaltungsgebühren in Rechnung gestellt.

Wie errechnet sich der Anschlusswert meines Hauses? 

Der Anschlusswert wird von einem Architekten- oder Ingenieurbüro berechnet, Basis ist eine Normheizlastberechnung entsprechend der Norm DIN EN 12831 und bei Trinkwassererwärmung entsprechend der Norm DIN 4708.

Welche Städte haben ebenfalls Fernwärme-Satzungen?

In fast allen Bundesländern gibt es in Städten oder Ballungsgebieten Fernwärme-Satzungen. Im Land Brandenburg beträgt der Anteil der Satzungsgebiete etwa 50% des Fernwärmemarktes, in Mecklenburg-Vorpommern rund 39%. Als Beispiele können Rostock, Schwerin, Neustrelitz, Pasewalk, Neustadt-Glewe  und Ludwigslust/Grabow (Bebauungsgebiete) genannt werden.

Welche rechtliche Grundlage erlaubt die Einführung einer Satzung?

Die Kommunalverfassung von Mecklenburg-Vorpommern (in der Fassung vom 08.06.2004) sieht in §15 die Einführung einer Fernwärme-Satzung zum Schutz der Umwelt und zur Energieeinsparung (Brennstoffe) vor. Auch für andere Bereiche, wie z. B. die Trinkwasserversorgung, bildet die Kommunalverfassung die rechtliche Basis.
Des Weiteren beruht die Einführung der Satzung auf dem im Jahr 2009 auf Bundesebene beschlossenen Erneuerbare-Energie-Wärme-Gesetz. Mit dem Gesetz sollen im Bereich der Wärmeversorgung von Gebäuden erhebliche Energieeinsparungen und besonders die Anwendung von Erneuerbaren Energien oder der Einsatz von Fernwärme, die entsprechend dem Gesetz mit erneuerbaren Energien gleichgestellt ist, gefördert werden. Im § 16 des Gesetzes wird die Einführung von Fernwärme-Satzungen ausdrücklich genannt.